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„Liefert nicht unſer eigenes Haus den Beweis der Wahrheit dafür?“
„Unſet eigenes Haus?“ wiederholten beide Schweſtern.
„Nun, da wir ſicher hier in Arran und nicht in Cdinburg ſind,“ fuhr die alte Dame fort,„kann ich es euch wohl erzählen; ihr würdet die Geſchichte doch eines Tags erfahren— wenn auch nicht jetzt, doch jedenfalls an dem Tage, an welchem ihr Bräute werdet. Ihr habt doch nicht die Portraits der drei Damen in der Gemäldegallerie in Edinburg ver⸗ geſſen?“
„Der Frauen von Robert dem Starken?“ fragte Alice.
„Eben dieſe. Ohne Zweifel erinnert ihr euch, was mein Neffe Sir Allan von ihnen erzählte.“
„Daß ſie ermordet worden ſeien,“ erwiderte Conſtance ſchaudernd.
„Und zwar von ihrem eigenen Gemahl,“ fuhr Lady Arran fort.„Und in was glaubt ihr, daß deren Fehler in ſeinen Augen beſtanden? Sie ge⸗ baren ihm nur Töchter, und der ſtolze, ſtrenge Mann wünſchte einen männlichen Erben, als wenn dieß in ihrer Wahl gelegen und ſie hiezu keinen guten Willen gehabt hätten. Eben dieſer Robert, deſſen Blut in euren Adern rinnt, war ein finſterer, böſer Mann, und es geht die Sage, daß er auf dem Todbette nur dadurch Abſolution erlangen konnte, daß er ſeine Nachkommen einem fürchterlichen Fluche preisgab.— Ich kann freilich nicht recht verſtehen, wie ein fündiger Menſch die Bürde ſeiner
eigenen Vergehen auf die Schultern von ſolchen


