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daß ich den Verluſt des letzten, vielleicht einzigen Freundes nicht zu ertragen vermöchte. Haben Sie mir verziehen?“
„Verziehen!“ ſtammelte Tullibardine.„Ach, Prinz! das Unrecht müßte ſehr groß ſein, welches mein Herz Ihnen und Ihrer Sache nachzutragen vermöchte. Ich weiß, daß ich ungeſtüm bin, aber dieſes Fieber hat meine Geduld erſchöpft, mein Blut verdünnt und— hol' der Henker die Klugheit! Gleich zwei Palladinen alter Zeit wollen wir für das Recht kämpfen und unſere Feinde erſt nach dem Siege zählen. Trotz all' dem,“ ſetzte er mit melan⸗ choliſchem Lächeln hinzu,„wünſchte ich doch, daß die Hochländer da weren.“
„Sie ſind da!“ rief Carl, deſſen Augen plötz⸗ lich voll freudiger Erregung blitzten:„ich höre die Töne der Sackpfeifen— ich ſchwöre darauf. Die Clane haben mich nicht verlaſſen! Gott ſegne meine
treuen Hochländer! Möge ich es nie erleben, mei⸗
nes Vaters Krone zu tragen, wenn mein Herz, ſei es in Verbannung oder auf dem Throne, ſich kalt gegen den Tartan und das ſchottiſche Schwert zeigt. Die Töne kommen näher, immer näher! Hatte ich
nicht Recht, alter Freund, auf Schottlands Berge und
Schottlands muthige Söhne zu bauen?“
Carl, in voller hochländiſcher Kleidung, eilte aus der Hütte, gefolgt von Tullibardine und den wenigen Gefährten, die ſeine Perſon umgaben.
Seine treue Garde war auf den Plan vor der Hütte aufmarſchirt, um die Ankömmlinge mit einer Art von militäriſchem Gepräng zu em⸗ pfangen.


