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die uns trennt oder zu welcher Stunde meine Auf⸗ forderung an Sie ergeht.“
Die Bedingungen ſchienen ſo eigenthümlicher Art, daß unſere Heldin zögerte.
„Ihr Lebensglück hängt davon ab.“
„Mein Lebensglück?“
„Antworten Sie mir nicht, wiederholen Sie meine Worte nicht, aber leiſten Sie mir das Verſprechen. Betrachten Sie es als einen Vertrag zwiſchen uns; geben Sie meinem ſchwachen und irrenden Geiſt keine Gelegenheit zu einer Ausflucht, um der Erfüllung einer heiligen Pflicht zu entgehen.“
„Ich verſpreche es,“ ſagte Milly feierlich, wor⸗ auf Lady Alton Towers von der Aufregung, in die ſie die Unterredung verſetzt hatte, erſchöpft in ihren Stuhl zurückſank.
Es ſollten nur wenige Monate vergehen, ehe die Aufforderung erfolgte; zuvor aber wurde noch eine Doppelhochzeit— Philipp's mit Bianca und Olivers mit ſeiner Couſine Iſabella— gefeiert.
Im Vorgenuß des nahen Glückes vergaß unſer Held eine Zeitlang den einzigen Kummer, der ſein Daſein trübte— ſeinen Vater, der noch immer im Exile, in der Selbſtverbannung in fremdem Lande, — unter den Qualen der Reue lebte, welche früher oder ſpäter die Folge von Selbſtüberſchätzung unſerer eigenen Urtheilskraft iſt. Gegenſeitiges Vertrauen iſt das einzige ächte Bindemittel des ehelichen Glückes. Schönheit kann anziehen und Sympathie die Leiden⸗ ſchaft befeſtigen, aber Vertrauen allein kann ſie dauernd machen. Ohne daſſelbe verwandelt ſich der


