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deck, in Betrachtung der immer mehr zurücktretenden Ufer Neapel's verſunken. Die Sonne ſchien glän⸗ zend und hell, die Küſten und Eilande mit ihrem goldenen Lichte überfluthend, das in ſeinen reichen Purpurfarben über die ganze Scenerie jene weichen Tinten verbreitete, welche Dichter beſingen und Ma⸗ ler nachzuahmen verſuchen.
Als endlich nur noch der Kegel des Veſuvs mit ſeinen Rauchwolken, die gleich Weihrauch einem fer⸗ nen Altar entſtrömten, ſichtbar blieb, ſtiegen ſie in die Kajüte hinab.
„Du biſt nachdenkend, Milly,“ bemerkte ihr Ge⸗ mahl,„bedauerſt Du das Land, das wir verlaſſen haben— deſſen Sonnenſchein und Lieblichkeit? Ita⸗ liens Schönheit gleicht leider der einer Schlange,— ſie iſt bezaubernd aber verrätheriſch.“
„Ich habe nichts zu bedauern, wo Du biſt, theu⸗ rer Gemahl,“ verſetzte die dankbare Frau,—„ich kenne kein Glück, wo Du nicht biſt! Aber dieſes Auf⸗ geben Laufbahn— eines Lebenszwecks,“ ſetzte
ſie im Lone de Selbſtvorwurfs hinzu,„für mich—
für mich!“
„Um meiner ſelbſt willen,“ flüſterte der Earl: „das Herz kennt kein Opfer, das Liebe gebracht hat.“
Das Lächeln, das einen Augenblick auf dem ge⸗ dankenvollen Geſichte ſeiner Gemahlin ſich zeigte, r ihm reichlich den Entſchluß, den er gefaßt hatte.
Nach Ankunft des Paketbootes in Marſeille ſchick⸗ ten Major Henderſon und Oliver Briefe nach Eng⸗ land, in welchen Sie Mr. Compton von ihrer An⸗ kunft, von dem Wohlbeſinden ſeines Mündels und


