10
durch ihren ungeſtümen Bewerber mittheilte, wurde ſie durch die Aufregung beunruhigt, in welche der Patient dadurch verſetzt wurde, und ſie ging raſch über die Einzelnheiten der Flucht zu der Verſicherung über, daß Bianca in Sicherheit ſei.
„Unter dem Schutze Olivers und Major Hender⸗ ſons befindet ſie ſich bereits auf dem Wege nach England,“ rief ſie haſtig aus,„leſen Sie, leſen Sie ſelbſt!“
Philipp erbrach das Siegel und als er die Zei⸗ len las, welche Liebe und Freundſchaft geſchrieben hatten, wich der Sturm der Leidenſchaft der ſüßen Ueberzeugung, daß der Gegenſtand der Verehrung ſeines jungen Herzens ſich außerhalb des Bereichs ihrer beiderſeitigen Feinde befinde. In der Freude ſeines Herzens drückte er zuerſt Bianca's Brief und dann die Hand ſeiner Wohlthäterin an ſeine Lippen.
„Kein Wort,“ ſagte Milly,„ich weiß, was Sie erduldet haben. Klagen Sie mich nicht des Man⸗ gels an Wohrheitsliebe an, aber es war nothwen⸗ dig, Sie zu täuſchen.“
„Sie täuſchten mich nicht,“ bemerkte Bianca's Liebhaber jetzt ruhiger.„Ich merkte an Ihrem Be⸗ mühen, heiter zu ſein,— aus dem Tone Ihrer Stimme, wenn Sie mich verſicherten, daß ſie wohl ſei, daß etwas Unheilvolles ſich zugetragen habe; ich las es,“ fügte er bei,„in den beiden Fenſtern, aus wel⸗ chen Ihre Seele in ihrer ſchlichten Wahrheitsliebe ſpricht.“
„Es war zu Ihrem Beſten,“ ſagte die Lady. „Von nun an werden Sie lernen, auf die Vorſehung zu bauen.“


