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„Es wäre ein Verbrechen, daran zu zweifeln, da ein Engel deren Vermittler iſt,“ verſetzte der Jüngling.
„Alle Dinge werden zu einem weiſen Ende ge⸗ führt,“ fuhr Milly ernſt fort.„So lange der Ge⸗ genſtand Ihrer Neigung in Italien blieb, ſchienen die Schranken Ihrer Verbindung unüberſteiglich; die Flucht deſſelben nach England wird mit Einemmale alle heben.“
„Ja!“ rief Philipp hoffnungsvoll;„es iſt das Land der Freiheit; der Major, Oliver und mein guter alter Vormund werden ſie dort beſchützen. Ach! wie ſehr ſehne ich mich danach, deſſen Luft einzuathmen, den Boden wieder zu betreten, wo man frei ausſprechen darf, was man denkt und wo man nicht, wie hier, nöthig hat, ſeine Anſichten und Gefühle vor Andern zu verſchließen und ſich gewiſſer⸗ maßen zur fortgeſetzten, lebenden Lüge zu machen.“
„Das iſt auch, mein lieber Junge, für eine gei⸗ ſtig begabte, edle Natur die ſchwerſte Kette, zu de⸗ ren Tragen ſie verurtheilt werden kann,“ ſagte der Earl, der unbemerkt in das Krankenzimmer einge⸗ treten war.„Meine Entlaſſung von dem Poſten, den ich bekleide, iſt von der Regierung angenommen worden und in zehn Tagen werden Lady Dalville und ich nach England zurückkehren, wenn Sie bis dahin gekräftigt genug ſind, uns begleiten zu können.“
„„Ich werde kräftig genug ſein, Mylord,“ ver⸗ ſetzte Philipp in großer Aufregung;„glauben Sie mir, daß ich es ſein werde. Ich bitte Sie, laſſen Sie ſich keinen Augenblick abhalten, Ihre Vorberei⸗ tungsanſtalten zur Abreiſe zu treffen. Der Gedanke, Bianca wieder zu ſehen,“— die Lippen des Lieb⸗
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