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bei.„Das iſt doch gewiß nicht zu viel verlangt. Sie werden ſie doch in meinem Namen beſuchen?“
„Ich will morgen die Gräfin beſuchen,“ verſetzte Lady Dalville ausweichend.
„Morgen!“ wiederholte der Kranke,„noch ein längerer Aufſchub, eine längere Ungewißheit.“
In dieſem Augenblick erſchien glücklicherweiſe für Milly ein Diener im Zimmer, deren Verlegenheit immer größer wurde und benachrichtigte dieſelbe, daß der Earl ſie im Bibliothekzimmer zu ſprechen wünſche.
„Geduld,“ flüſterte ſie, das Kiſſen des armen Philipp zu recht richtend,„ich komme bald wieder.“
Sie war nicht lange von ihrem Patienten ab⸗ weſend, indem ſie augenblicklich wieder erſchien mit zwei Briefen in der Hand— das Geſicht ſtrahlend von Lächeln.
„Für mich!“ rief der Liebhaber haſtig,„für mich?“
„Beide: der eine iſt von Oliver; der andere—“
„Von Bianca!“ rief der ungeduldige Jüngling. „Ich leſe dieß in Ihren Augen; dieſe haben mich nie getäuſcht.“
„Von Bianca,“ wiederholte die Lady.„Sie iſt wohl, ganz wohl; aber ehe ich Ihnen dieſe Briefe gebe, habe ich Ihnen etwas mitzutheilen, das Sie geduldig anhören zu wollen mir verſprechen müſſen.“
„Geduldig! Ja, ja!— ich verſpreche es!“
Mit dem ihrem Geſchlechte eigenthümlichen Takt und Wohlwollen berichtete Lady Dalville die Ankunft des Baron von Kalig in Neapel,— deſſen Hei⸗ rathsantrag und Abweiſung von Seiten Biancas. Als ſie die Entführung der ſchönen Italienerin
Smith, Milly Mohne. V. 2


