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bei Hofe durch übereifrige Erfüllung ſeiner Pflichten beliebt zu machen. Dieſer Umſtand beruhigte ihn wieder einigermaßen.
Der Leim wird hoffentlich ſtark genug ſein, dachte er.
„Kein Wort!— keinen Wink gegen meine Frau,“ ſetzte er hinzu.
„Milady iſt nicht ſehr freigebig,“ bemerkte der Diener mit eigenthümlichem Lächeln.
Sein Herr merkte ſich den Wink und deutete auf ſeine Börſe, die auf dem Tiſche lag.
„Zählen Sie deren Inhalt,“ ſprach er.
„Neunzehn Ducaten, Sir Aubrey.“
„Dann ſchulde ich Ihnen noch ſechs. Sind Sie zufrieden?“
Sein Werkzeug verbeugte ſich tief. Es war dieß ein ſchöner Taglohn.
„Wenn Ihre Herrin nach mir fragen ſollte,“ fuhr der Gentleman in ſorgloſem Tone fort,„ſo ſagen Sie ihr, daß ich in den Klubb gegangen ſei.“
„Sehr wohl, Sir Aubrey.“
„Und daß ich um Mitternacht wieder nach Hauſe kommen werde,“ fuhr der Baronet fort, der während des Schluſſes der Unterredung ſich in eine weite Cappa, oder Kaputzmantel gehüllt hatte, den er auf neapolitaniſche Weiſe über ſeine linke Schulter zog, um dadurch den untern Theil ſeines Geſichts zu ver⸗ decken. Ueberzeugt, daß keiner ſeiner Bekannten ihn erkennen würde, wenn er einen begegnen ſollte, ver⸗ ließ er das Hotel und machte ſich nach der wohlbe⸗ kannten Wohnung des Polizeiminiſters auf den Weg. Einem weniger entſchloſſenen Manne wäre wohl der Verſuch, Zutritt zu dem vielgefürchteten Beamten


