Teil eines Werkes 
3. Band (1860)
Entstehung
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Selbſt die Frauen gaben zu, daß ſie außeror⸗ dentlich ſchön ſei.

Die Qual, welche das Herz ihres Verführers fühlte, entſprang nicht aus Gewiſſensbiſſen, ſondern aus Eiferſucht. Hätte ſein Opfer eine ganz ausge⸗ ſuchte Beſtrafung für ihn erſonnen, ſo hätte es keine wirkſamere auffinden können, als ſeine Vermählung mit einem Andern. Gleich den meiſten ſelbſtfüchtigen Naturen(und der Baronet war im höchſten Grade ſelbſtſüchtig) war ihm der Gedanke eben nicht unan⸗ genehm, Milly in Mangel und Dunkelheit ſich ab⸗ härmend oder über ſeine Abweſenheit weinend, und um die Vergangenheit jammernd, zu wiſſen. So ſollte es ſein. Aber Milly glücklich, ſtrahlend von Schönheit, ebenſo hoch an Rang jetzt über ihm, als früher an Gemüth, das quälte ihn. Es kam ihm vor, als wenn ihm auf eine herzloſe, grauſame Weiſe mitgeſpielt worden wäre.

Welches Recht hatte ſie, glücklich zu ſein, während er ſich elend fühlte?

Wie viele Wüſtlinge haben unter ähnlichen Um⸗ ſtänden die gleiche Frage an ſich geſtellt? Indolente Naturen erkennen meiſtens erſt dann den Werth eines Juwels, nachdem ſie es weggeſchleudert haben, ſowie auch rohe Naturen den herrlichen Wohlgeruch einer Blume nicht eher ſchmeckeu, bis ſie ſie zerdrückt haben.

Sind Sie überzeugt? fragte Hanway.

Es lag etwas Teufliſches in dem Blicke, mit wel⸗ chem ſein Herr ihm antwortete.

Ich bin überzeugt, ſprach er.Entfernen wir uns von dieſem nach Knoblauch riechenden Geſindel. Ich habe genug geſehen.