Fünfunddreißigſtes Kapitel.
Die täglichen Beſuche Lord Arthurs in der Woh⸗ nung von Herbert Lacy waren ſchon ſeit mehreren Monaten fortgeſetzt worden; ſein wahrer Stand war aber vor Milly ſo ſorgfältig verborgen worden, daß ſie nicht den entfernteſten Argwohn hegteé daß er einen andern Rang habe als den, unter welchem er ſich ſelbſt vorgeſtellt hatte,— ein armer Gentleman, der eine Anſtellung bei der Regierung bekleide. Ihr Wohlthäter und deſſen Schweſter redeten denſelben immer als Mr. Stanton an; und da die Dienerſchaft nicht in das Geheimniß eingeweiht war, ſo konnte ſie es auch nicht verrathen.
Es gab nichts zarteres und zugleich delicateres als die Aufmerkſamkeiten, die er der armen Zigeu⸗ nerin erwies. Wer es mit angeſehen hätte, würde ihn für einen ältern Bruder gehalten haben, der im⸗ mer mit den Leiden einer Schweſter ſympathiſirte. Es lag nichts darin, was auf Liebe deutete,— we⸗ nigſtens äußerlich nichts. Sein Gefühl, wenn er wirklich ein ſolches hegte, drückte ſich nicht in Worten aus,— Milly hatte den Werth von Geſtändniſſen ken⸗ nen gelernt und würde aller Wahrſcheinlichkeit nach ihr Herz dagegen geſtählt haben— ſondern gab ſich durch die Sanftmuth und Geduld kund, mit welcher er ihren Klagen lauſchte, durch die edle und offene Weiſe, in welcher er die Bitterkeit ihrer Selbſtan⸗ klagen bekämpfte und ſie mit ſich ſelbſt zu verſöhnen
ſuch
te. „Sie hielten ſich für vermählt, Milly,“ konnte er


