Teil eines Werkes 
1. Band (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

24⁰

Iſt denn Annie nicht bei Ihnen? fragte unſer Held in ſanftem Tone.

So kurz als ihre Thränen und ihr Schluchzen es ihr erlaubten, theilte ihm die beraubte Mutter das geheimnißvolle Verſchwinden ihres Kindes mit, das Hliver im Stillen augenblicklich mit dem merkwürdi⸗ gen Phantom oder der Erſcheinung in dem abgele⸗ genen Zimmer, in welchem er geſchlafen hatte, in Zuſammenhang brachte.

Ich muß die Halle wieder beſuchen, murmelte er vor ſich hin.

Es iſt unmöglich, rief Oliver Brandreth in edlem Unwillen,daß ein Geſchöpf in menſchlicher Geſtalt ſo ſchlecht ſein kann, dem Kinde etwas zu Leid zu thun. Ihre Gefangenſchaft hier kann nicht lange mehr dauern. In einem oder in zwei Tagen, viel⸗ leicht aber ſchon in wenigen Stunden muß Ihr Ver⸗ wandter hier eintreffen. Ich beſchwöre Sie ruhig und geſammelt zu bleiben, wenn Sie ihn ſprechen,

Fürchten Sie nichts, verſetzte die Dame mit melancholiſchem Lächeln.Ich bin nicht wahnſinnig; weder mein Schmerz noch die unwürdige Behand⸗ lung, die ich zu erdulden hatte, haben mich bis jetzt der Vernunft beraubt. Mein Feind, fügte ſie bei, hat ſich dieſes Triumphs über mich nicht zu erfreuen.

So haben Sie alſo einen Feind? Ich dachte es doch.

Einen bittern und unverſöhnlichen Feind, ſagte die Dame,Sir Aubrey Fairelough.

So täuſchte ich mich doch nicht, bemerkte der Jüngling.

Sein Bruder, der verſtorbene Sir Wilfred er⸗

4