Teil eines Werkes 
5. Band (1858)
Entstehung
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chen von Verſtand ihren Neffen habe abweiſen kön⸗ nen, ging über ihr Faſſungsvermögen. Dieſer war nämlich in ihrer Meinung ganz ungeheuer geſtiegen, ſeit ſie den Brief der Herzogin von Rohan geleſen hatte, die darin von ihm als einem Helden ſprach.

Harold hatte ſich ſchon ſeit mehr als einer Stunde in ſein Zimmer zurückgezogen, in der Ab⸗ ſicht jedoch, ſich nicht eher zur Ruhe niederzulegen, bis Tom zurückgekehrt ſei. Obgleich des Maier⸗ hofes zwiſchen Beiden noch mit keiner Silbe ge⸗ dacht worden war, ſo hatte Harold doch errathen, an welchem Orte ſein Diener den längſten Beſuch abgeſtattet habe. Kein Wunder alſo, daß er nicht ſchlafen konnte; in der Liebe pflegt auch der unbe⸗ deutendſte Gegenſtand den geſchäftigen Geiſt zu quä⸗ len und das Herz in Träumereien zu verſetzen. Er vermochte ſich keine Rechenſchaft darüber abzulegen, was er zu erwarten habe, und doch konnte er nicht umhin, dem Bericht ſeines treu ergebenen Vertrauten ein beſonderes Gewicht beizulegen, obgleich er über ſeine Schwäche, wie er es ſelbſt nannte, faſt er⸗ röthete.

Es war ſchon Mitternacht vorüber, als er end⸗ lich die Schritte von Norah's Liebhaber auf dem Gange vernahm. Das Klopfen an der Thüre ge⸗ ſchah aber ſo behutſam, daß wenn er nicht genau aufgehorcht hätte, er es gar nicht gemerkt hätte.

Tom trat mit vor Freude ſtrahlendem Geſichte in das Zimmer, denn er wußte, daß die Nachricht, die er der hübſchen Kammerjungfer abgeſchmeichelt hatte, ſeinem theuren Herrn neues Leben und neue Hoffnung geben werde.