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ſenheit am allernothwendigſten war. Die Frau, welche Sie zu meinen Füßen knieen ſahen—“
„Ihre Gemahlin—“ fiel ihm Lilini in's Wort.
„Hat mich entehrt.“
„Hätte irgend eine andere Zunge dieſe Verläum⸗ dung ausgeſprochen,“ verſetzte Lilini,„ſo würde er es mit ſeinem Leben zu verantworten gehabt haben. Sie iſt die Reinheit ſelbſt.“
„Aber Sie wiſſen nicht—“
„Ich weiß Alles,“ unterbrach ihn der Graf— „wie argliſtig Sie von einem gemeindenkenden Neffen hintergangen worden ſind, deſſen Abſichten auf Ihr Vermögen gerichtet ſind— wie ſchwach Sie waren, dieſem Eindrucke nachzugeben— wie grauſam Sie gerichtet haben! Hören Sie mich an: es iſt Zeit, daß ich ein Geheimniß aufdecke, welches, wie ich ſo eben ſagte, Sie ſelbſt an mir zu zweifeln veranlaſſen kann.“
„An Ihnen zu zweifeln?“.
„Ich war achtzehn Jahre alt, als ich Ihts Gemahlin kennen lernte. Fahren Sie nicht auf; Sie ſollen Alles erfahren. Ich würde ſelbſt dem Himmel kein freieres Geſtändniß ablegen, als Ihnen. Wir liebten uns. Sie wiſſen, was dieſes Wort in Herzen, wie die unſrigen, die nur Unſchuld und „Wahrheit kannten, zu bedeuten hat. In jener Cpoche meines Lebens hing ich von einem ältern Bruder ab, den man unkluger Weiſe zum Vormunde mei⸗ nes kleinen Vermögens beſtellt hatte. Ich wagte nicht, ihn um ſeine Einwilligung zu meiner Ver⸗ mählung anzugehen, da ich ganz gewiß wußte, daß er nicht nur eine abſchlägige Antwort ertheilen,


