Teil eines Werkes 
4. Band (1858)
Entstehung
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viel für die menſchliche Schwäche, der wir Alle mehr oder weniger unſern Tribut bezahlen.

Ich befinde mich beſſer, verſetzte er in Er⸗ widerung ihrer Frage;ich fürchte aber, daß es das letzte Aufflackern, das Aufhören der Schmerzen iſt, das dem Ende vorangeht, und gewiſſermaßen ein Mahnungszeichen iſt, daß wir von dem ſcheiden müſſen, was uns im Laufe der Zeit theuer ge⸗ worden iſt.

Sprechen Sie doch keine ſo traurigen Worte, unterbrach ihn ſeine Gattin,ich weiß ja, daß wir Alle ſterben müſſen.

Alle, wiederholte der General feierlich,dann werden auch die Geheimniſſe aller Herzen offen⸗ kundig der Schleier des Betrugs wird gelüftet die Maske fällt von dem heuchleriſchen Antlitz. Wie manches Herz, das jetzt noch in ſeinem Ver⸗ trauen glücklich iſt, findet dann, daß ſein Glück eine bloße Täuſchung war und trauert über die Irr⸗ thümer und Schwächen eines Weſens, das es am meiſten liebte.

Sehr wahr, antwortete Adelaide nachdenklich.

Zwiſchen uns Beiden fand aber eine Täuſchung dieſer Art nicht ſtatt, fuhr der blinde Mann mit bewegter Stimme fort.Sie haben nie mit dem Namen geſpielt, der Ihrer Ehre anvertraut wurde. Sie haben nie das Unglück des Mannes, der Sie liebte und Ihnen vertraute, mißbraucht, indem Sie auf ſeine Stirne das Brandmal der Schande drück⸗ ten? Nein, nein; es wäre zu gräßlich, zu ſchlecht, unmöglich! Die Frau des Generals von Courcie iſt eines ſolchen Verraths unfähig.