Teil eines Werkes 
4. Band (1858)
Entstehung
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baß er die Frage an ſich ſtellte, ob er nicht einen zu raſchen Entſchluß gefaßt habe.

Der größte Verbrecher darf nicht ungehört ver⸗ urtheilt werden, murmelte er vor ſich hin;ich will morgen früh mit Adelaide ſprechen. Zwar kann ich allerdings ihr Erröthen, ſei es aus Scham, oder aus Unſchuld, nicht ſehen, aber der Ton ihrer Stimme wird mir verrathen, ob ſie ſich ein Un⸗ recht gegen mich hat zu Schulden kommen laſſen, oder nicht. Dieſem will ich vertrauen.

Wenn ihm dann wieder eiüfiel, daß ſeine Frau die Andeutungen und Vorwürfe angehört habe, welche auf ihr Betragen abzielten, ſo ſtellte ſich ſein Verdacht mit verſtärkter Macht wieder ein und er klagte ſich der Schwäche an, daß er einer blinden Hoffnung ſich hingebe und gegen ſeine beſſere Ueber⸗ zeugung noch vertraue.

Nichtsdeſtoweniger hielt er ſeinen Entſchluß auf⸗ recht, und als am folgenden Morgen ſeine Ge⸗ mahlin in ſeinem Gemache erſchien, um nachzufra⸗ gen, wie er die Nacht zugebracht habe, traf ſie ihn in ſeinem Stuhle ſitzend, aber nicht aufgeregt und ungerecht, wie er in der letzten Zeit ſo häufig ge⸗ weſen war.

Sie befinden ſich beſſer, rief ſie erfreut über dieſe Veränderung aus.Ich bin überzeugt, daß es Ihnen beſſer geht. Oder iſt es nicht ſo?

Reichen Sie mir die Hand, Adelaide.

Sie legte ſie in die Hände des Generals, der ſie zugleich freundlich auf die Stirne küßte.

Es iſt vielleicht das letzte Mal, dachte er. So