Teil eines Werkes 
4. Band (1858)
Entstehung
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. Vermögen gegen ihre Abſichten ſichern. Ich ver⸗ biete Dir, ohne den Notar vor mir wieder zu er⸗ ſcheinen. Mein Entſchluß ſteht unwiderruflich feſt.

Dieſe Unterredung fand Abends ſtatt, und der Verläumder entfernte ſich unmittelbar darauf.

Frau von Courcie hatte mit zunehmender Angſt die Entfremdung ihres Gemahls wahrgenommen und deren Urſache nur zu richtig errathen. Es war nicht die Befürchtung, daß deſſen Glücksgüter ihr entgehen werden, die ſie mit Betrübniß erfüllte, denn in ihrem edlen Herzen war kein Raum für niedrige Speculationen, ſondern es war der Verluſt ſeines Vertrauens und ſeiner Achtung, der ſie auf⸗s Tiefſte ſchmerzte. Sie beſaß keine Freunde, die ihr mit Rath und Hilfe hätten an die Hand gehen können, und ihre Lippen waren ſtumm über eine Vergangenheit, in der ſie zwar keine Schuld traf, ſ. die aber ſich auszuſprechen es ihr an Muth ehlte.

Wie häufig trifft es ſich, daß die Nacht beſſern Rath bringt! Während der ſchlafloſen Stunden, welche der General von Courcie hinbrachte, fand die⸗ ſer Zeit, nicht allein die Anklagen, die man gegen ſeine Gemahlin vorgebracht hatte, zu erwägen, ſon⸗ dern auch den Charakter der Frau, die er des Ver⸗ mögens zu berauben und im Falle ſeines Todes hilflos in der Welt zurückzulaſſen auf dem Punkte ſtand, noch einmal einer genauen Prüfung zu unter⸗ ziehen. Die Anklagen gegen ſie ſtützten ſich ent⸗ fernt nicht auf einen Beweisgrund, ihr Charak⸗ ter hatte ſich ſtets in dem beſcheidenſten, edelſten und ſiebevollſten Lichte gezeigt. Kein Wunder alſo,