Teil eines Werkes 
4. Band (1858)
Entstehung
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lichſt zu ſeinem Vortheile auszubeuten. Die etwas geſchwächte Geiſteskraft ſeines Verwandten kam ihm dabei zu Statten, und er benützte dieſen Umſtand, um verdeckte Winke über die Treue ſeiner Frau fallen zu laſſen, und dabei zu bemerken, wie leicht es für eine Frau ohne Grundſätze ſei, einen Gat⸗ ten zu hintergehen, der von der Vorſehung auf eine Weiſe, wie er, heimgeſucht worden ſei. Anfangs wurden dieſe Einflüſterungen mit zor⸗ niger Ungeduld, wenn nicht gar mit Unwillen auf⸗ genommen; nach und nach aber wurden ſie ange⸗ hört und, wenn ſie auch nicht gerade Glauben fanden, ſo blieb doch etwas davon haften. Die Stimmung des Generals wurde reizbar und die ruhige Gelaſſenheit, die unermüdliche Freundlich⸗ keit der Frau von Courcie, Eigenſchaften des Her⸗ zens, welche an und für ſich ſchon die unwürdigen Einflüſterungen hätten Lügen ſtrafen ſollen, wurden ihrer Furcht zugeſchrieben und für einen Beweis des ſchlechten Gewiſſens gehalten. Unglücklicher Weiſe tauchten Erinnerungen in dem grauſam getäuſchten Gatten auf, die ihn gläu⸗ biger ſtimmten, als er es unter andern Umſtänden geweſen wäre. Adelaide hatte ihm offen mitge⸗ theilt, als er um ihre Hand angehalten, daß ſie einen Andern geliebt habe und daß ihr Herz mit in deſſen Grab geſenkt worden ſei. Zur Zeit, als die edle Frau dieſes Geſtändniß gemacht, war es ohne die mindeſte Abſicht zu täuſchen geſchehen. Hätte ſie damals entfernt geahnt, daß der Gegen⸗ ſtand ihrer Liebe noch am Leben ſei, ſo würde ſelbſt der ſtrenge Befehl ihres Vaters, des Ober⸗