6
ſelbſt im Augenblick der höchſten Gefahr noch an das Wohl des Gegenſtandes ſeiner Liebe denkt.
Auf Helsman's Ruf folgte ein lautes Krachen, das in den Ohren der Gefangenen wie das Geläute der Hoffnung ſchallte. Sie wußten, daß die Thüre gewichen war; aber, anſtatt ihren Schrecken zu vermehren, war dieſer merkwürdiger Weiſe dadurch gewichen; ſie waren über Furcht erhaben. Als die beiden Böſewichte in das Zimmer traten, wo ſie ein Schreien, Lamentiren und Flehen um Gnade erwarteten, fanden ſie Emma und Nancy in in⸗ brünſtigem Gebet auf dem Boden knieend. Dieſe Erſcheinung überraſchte ſie dergeſtalt, daß ſie einen Augenblick lang ſtutzten und ihre ſchändliche Abſicht nicht auszuführen wagten.
„Verſtändige Mädchen, nicht wahr, Capitän?“ bemerkte der Zigeuner Jack.„Kein dummes Be⸗ nehmen; ſie ſcheinen ganz gefaßt, und das iſt auch das klügſte, wenn etwas Anderes nichts nützt.“
„Ich kenne Ihre Abſicht,“ ſprach Miß Cheerly, ſich an den Herrn des Hauſes wendend.„Sie ſind da, um mir das Leben zu nehmen. Wenn meine Feinde durchaus nicht anders zufrieden geſtellt wer⸗ den können, ſo muß ich mich Ihrer Grauſamkeit unterwerfen; aber weßhalb ſoll denn dieſes harm⸗ loſe Mädchen hier den Haß gegen mich mit ihrem Leben büßen?“
„Wenn ich wirklich dieſe Abſicht hätte,“ ver⸗ ſetzte der Capitän,„ſo geſchähe es blos um meiner Sicherheit willen. Dieß iſt aber nicht der Fall, ſondern das Haus kann jeden Augenblick durchſucht werden; Sie müſſen deßhalb herabkommen und ſich


