Teil eines Werkes 
1. Band (1857)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

199

ches ein gefühlvolles Herz immer empfinden muß, wenn es ein anderes betrübt. Sie geſtand mir offen, daß ihre Empfindung für mich keine andere ſei, als die einer Schweſter.“

„Das wird ſich geben,“ murmelte der Baronet, „das wird ſich geben.“ Während des Beſuchs in Granstoun⸗Park und nachher auf dem Hofe hatte er Bella und ſeinen Neffen genau beobachtet und die Ueberzeugung von einer gegenſeitigen Neigung hatte ſich in ihm ſo feſtgeſetzt, daß er ſich nicht mehr davon zu trennen vermochte. Je mehr er die Sache überlegte, um ſo unerklärlicher erſchien ihm ihre Weigerung. Sie muß ihn lieben, dachte er, mit ſeinem ſchönen, kräftigen Aeußern und ſeinem friſchen, unverdorbenen Herzen. Wenn ich Beide nur noch einmal zuſammenbringe, ſo werden ſeine guten Ei⸗ genſchaften und ihr geſunder Verſtand das Uebrige thun. Von dieſer feſten Ueberzeugung ausgehend, drang er in ſeinen Neffen, ihn zu begleiten.

„Wenn Sie es wünſchen, Onkel, ſo gehe ich mit,“ erwiderte Harold,„jedoch nicht in der Hoff⸗ nung, daß—“

„Freilich wünſche ich es, lieber Junge,“ unter⸗ brach ihn Sir Mordaunt;„du weißt, daß ich dich zu ſehr liebe, als daß ich dich die beſten Kräfte deines Herzens und deiner Jugend in hoffnungs⸗ loſer Leidenſchaft verzehren ſehen möchte. Das Mädchen iſt wohl eines nochmaligen Verſuches werth.“

„Gewiß iſt ſie der heißeſten Liebe würdig und es verlohnt der muthigſten Anſtrengung, ſie zu ge⸗ winnen,“ rief Harold feurig.„Niemand kennt den Werth eines Edelſteins ſo genau, als der, welcher