Teil eines Werkes 
1. Band (1857)
Entstehung
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gewölbt und von dichtem kaſtanienbraunem Haar beſchattet; blaue Augen und fein geſchnittene Lip⸗ pen deuteten auf Feſtigkeit des Charakters; ſie waren aber ſo häufig von einem freundlichen Lä⸗ cheln umſpielt, daß wenige Perſonen die eben be⸗ zeichnete Eigenſchaft bei ihm vorausſetzten. Er war groß für ſein Aſter und ſeine muskulöſen Glieder ließen auf bedeutende phyſiſche Kraft ſchließen.

Wie ſchon geſagt, ſo plagte ſich Harold nicht allzu ſehr mit dem Lateiniſchen, Griechiſchen und der Mathematik, welche ihm der ehrwürdige Tho⸗ mas Lucket beibringen ſollte, und nur im Fran⸗ zöſiſchen machte er ſolche Fortſchrittte, daß er dieſe Sprache bald ganz geläufig redete. Am meiſten Vergnügen aber machte es ihm, ein Pferd zu tum⸗ meln und mit Tom, dem Muſter eines engliſchen Groom, über Berg und Thal zu reiten, wobei er zuweilen faſt das Heimkommen vergaß.

An einem jener ſchönen Herbſtabende, wie ſie England eigenthümlich ſind, war Harold, wie ge⸗ wöhnlich, mit Tom ausgeritten, und ſchon hatte die

locke zum Mittageſſen einmal geläutet, ohne daß der junge Squire nach Hauſe gekommen wäre. Johnſon, der Haushofmeiſter, zögerte abſichtlich mit dem zweiten Läuten, damit es nicht den Anſchein habe, als müſſe der alte Baronet auf ſeinen Neffen warten. Dies war ſchon längſt eine ſtillſchweigende Uebereinkunft. Sir Mordaunt ſtand mit ſeiner Schweſter auf der Terraſſe und gab ſich den An⸗ chein, als ſei es ihm nur darum zu thun, vor Tiſch ein wenig friſche Luft zu ſchöpfen.