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wohl recht ſchön, aber wie ſehne ich mich nachjenen entzückenden Scenen, in welchen wir während der letzten Saiſon zu London mithandelnd ge⸗ weſen waren. Beiläufig habe ich von meinen Empfehlungsſchreiben hier in Wien Gebrauch gemacht und bin mit einigen prächtigen Muſtern weiblicher Vortrefflichkeit bekannt geworden, ebenſo mannigfaltig im Sthl wie die Porträts, womit die Wände der ſchimmernden Paläſte welche ſie bewohnen, geſchmückt ſind. Die Prin⸗ zeſſin von Schloß Johannisberg iſt zum Bei⸗ ſpiel ein vollkommenes Bild aus Rubens' Schule. Die Baroneſſe Altenberg wiederum ſieht ſo träumeriſch und lieblich aus wie ihr eigener Titian. Madame Vandenhenden hätte für die Braut von Vandhke ſitzen können, wäh⸗ rend die Herzogin von Landsdorfhauſen genau dem Porträt der guten Königin Beß von Hans Holbein gleicht. Aber ſie alle walzen zu ſehen, wäre ein Jahr von Ihrem Leben werth. „Es mangelt jedoch Etwas an dieſen fremden Schönheiten, das ich genau zu bezeichnen in.
Verlegenheit bin. Sie kommen zu kurz, ſehr zu kurz gegen unſere ſchwanenähnlichen, unver⸗ gleichlichen britiſchen Damen, wie zum Beiſpiel eine N—, eine S—d, oder eine S—r, wo In⸗ telligenz auf dem Thron der Schönheit ſitzt. Nebenbei geſagt, fiel mir beſonders eine vor⸗ nehme engliſche Dame auf, die ich an einem der 4 letzten Abende auf dem Ball des Erzherzogs ſah. Intelligenz, die ſich auf ihrer edeln Stirne la⸗ gerte, die fein aber ſtolz geformte Naſe, die


