262
Seine Frau, welche ihm die letzten zwei Jahre ein Leben bereitete, gegen das Knechtſchaft auf den Galeeren ein Zeitvertreib geweſen wäre, hatte die letzten drei Monate ihre Wohnung im Hotel Rouſſil⸗ lon zu Paris aufgeſchlagen und ihren kranken Gatten dem zarten Mitleid ſeines jüdiſchen Schwiegervaters überlaſſen.
Als darum der alte Gentleman eine athletiſche Geſtalt in dem Anzug eines gemeinen Soldaten nach dem von uns beſchriebenen heftigen Kampfe auf ſich zuſchreiten ſah, betrachtete er ihn natürlich als die Hauptperſon bei der Affaire.
„Die hölliſchen Schurken,“ſagte er,„ſind nicht ein⸗ mal unter ſich ſelbſt einig. Sie haben ſich über ihren Raub gezankt, ehe ſie dem Opfer die Kehle ab⸗ ſchneiden.“ 8
Mit mehr Behendigkeit, als man von einem ſo abgemagerten Mann hätte erwarten ſollen, ſprang er aus dem Bette auf den Fußboden. Das Meſſer, welches der Graf auf den Stuhl neben dem Bett ge⸗ legt hatte, fiel ihm dabei in die Augen. Krank und ſchwach, wie er war, beſaß der alte Gentleman doch den Muth eines Löwen, und mit der plötzlichen Kraft der Verzweiflung ergriff er das Meſſer und ſtellte ſich ſeinem muthmaßlichen Angreifer entgegen.
Der Soldat war eben im Begriff, ſich vor ſeinem Vater auf ein Knie niederzulaſſen, als der letztere die Bewegung dadurch verhinderte, daß er ſich auf den⸗ ſelben warf und das Meſſer in ſeines Sohnes Bruſt begrub.
Rateliffe Blount machte keinen Verſuch, den Stoß
abzuwehren und fiel ſchwer auf den Boden, während


