Der Lord war ein Mann von hoher Statur, mager, voll Majeſtät, und hatte zur Zeit der Regent⸗ ſchaft für einen der beaus gegolten. Was ſeine Frau betraf, ſo war ſie Kleiderverwalterin oder Staats⸗ dame der Königin Charlotte deutſchen Andenkens geweſen.
Was Lord Mountjoy's Herablaſſung noch bemer⸗ kenswerther machte, war der Umſtand, daß er zu den Häuptern der Oppoſition gegen das Miniſterium Lord Potters gehörte. Er grüßte ſehr kalt, als Mabel ihm ihren Gatten vorſtellte, drückte Sir Colin herzlich die Hand und beehrte Capitän Fanſhaw mit einem Kopfnicken.
Trotz der Kaltblütigkeit des Herrn von Crows⸗ hall ſah man wohl, daß er ſich von der Anweſenheit des Lords unter ſeinem Dach geſchmeichelt fühlte. Dieß konnte nicht ermangeln, ſeine Wichtigkeit in der Graſſchaft zu erhöhen. Wenige Menſchen können den Werth der Achtung beſſer als diejenigen, welche ſich derſelben unwürdig gemacht haben.
„Sehr liebenswürdig,“ flüſterte Sir Colin ſeinem Mentor in's Ohr.„Es kam mir vor, als hätten Sie mir geſagt, ſeine Lordſchaft gehören zur Oppo⸗ ſition.“
„Seine Liebenswürdigkeit gefällt mir nicht,“ ant⸗ wortete Capitän Fanſhaw,„es wäre mir lieber ge⸗ weſen, er hätte Sie mit finſterer Miene angeſehen. Lord Mountjoy iſt ebenſo glatt, aber auch ebenſo ſchlüpfrig wie Eis. Seien Sie überzeugt, daß etwas darunter ſteckt.“
Sein Zögling ſchien ganz beſtürzt bei dieſer Bemerkung.
4


