258
ſichtsvolle Richter zu ſehr an die Verſtrickungen des Zeugenbeweiſes gewöhnt, um nicht mit Kundgebung ſeiner Anſicht zu zögern, da das Ganze faſt das Aus⸗ ſehen eines Theatercoups hatte.
„Sie kommen mir als ächt vor,“ bemerkte er endlich.
„Wollen mir Eure Gnaden erlauben?“
Die Papiere wurden dem Sachwalter der Be⸗ klagten ausgefolgt, welcher während einer ſorgfältigen Prüfung derſelben ungemein blaß wurde.
Der Trauſchein war von dem ehrwürdigen M. Henry Churton, Regimentskaplan, und von Barny Gee und Henry Coulſon, Oberfeldwebel, als Zeugen unterzeichnet.
Einer der jüngeren Advokaten erhob ſich und bat um die Erlaubniß, die Unterſchrift des Geiſtlichen prüfen zu dürfen. Da er ſelbſt ein Churton war, ſo wurde ihm dies natürlich geſtattet.
„Es iſt die Hand meines Bruders, mein Lord,“ ſagte der Advokat.„Ueber dieſen Punkt kann nicht der mindeſte Zweifel obwalten. Um die angegebene Zeit war er Feldkaplan in einem unſerer indiſchen Regimenter, jetzt aber iſt er, wie Eure Gnaden wiſſen, einer von den Colonialbiſchöfen. Seit drei Tagen befindet er ſich in England.“
„Dann hat es ja gar keine Schwierigkeit, die Aechtheit der Unterſchrift zu beweiſen,“ bemerkte der Kanzler.
Die arme Lillian! Nicht die Ausſicht auf Reich⸗ thum war es, was ihr bei dieſer unerwarteten Ent⸗ deckung Freudenthränen entlockte. Sie entſprangen einer reineren, edleren Quelle— dem Bewußtſein,


