Teil eines Werkes 
4. Band (1860)
Entstehung
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hat mich nach Indien geführt. Vor ſeiner Verheirathung war mein Vater Handlungsgehilfe in dem Haus meines Großvaters geweſen und kam damals in Ver⸗ dacht, gewiſſe Werthpapiere entwendet zu haben, die ſpäter in Indien umgeſetzt wurden. Es waren keine Beweiſe, das heißt, keine beſtimmten Beweiſe vor⸗ handen; denn diejenigen, welche die ehrloſe That be⸗ gingen und mit teufliſcher Schlauheit meinen Voter zu verdächtigen wußten, haben es nie gewagt, mit der Anklage öffentlich hervorzutreten.

Gott ſei Dank!

Aber ſie bedroht ihn noch immer.

Wenn Ihr Großvater Sie liebt, ſo kann er ſie unmöglich gegen ſeinen Schwiegerſohn erheben. Es wäre grauſam, unnatürlich.

Er wohl nicht, aber vielleicht ſein Feind, und die Furcht vor einer ſolchen Schande hat die Verſöhnung gehindert. Nun haben die Kinder der Armen von Ratur eine gute Beobachtungsgabe. Die Noth iſt eine ſtrenge Lehrerin und ihre Zöglinge werden vor der Zeit reif. Während ihre Altersgenoſſen nur an Vergnügen und Glück denken, lernen ſie bald die Charaktere würdigen und die ſchwachen ſowohl als die guten Seiten derjenigen auffaſſen, mit denen ſie täglich in Berührung kommen.

Das iſt wahr, bemerkte ſeine Zuhörerin weh⸗ müthig.Meine eigene kurze Erfahrung dient Ihren Worten zur Bekräftigung.

Wohlan denn, ich habe meinen Vater genau beobachtet und bin feſt überzeugt, daß er nie von dem Pfad der ſtrengſten Redlichkeit abgewichen iſt.

Ein Sohn konnte ſich hierin gewiß nicht täuſchen.