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Armuth und Elend verſtieß, weil ſie ohne ſeine Zu⸗ ſtimmung eine Ehe eingegangen hatte.“
„Kann es auch einen ſolchen Vater geben?“
„Tadeln Sie ihn nicht. Ich wenigſtens habe kein Recht dazu, denn er hat ſich gütig gegen mich erwieſen. Auch kann ich mir kein Urtheil über ihn anmaßen, denn in dem Benehmen meines unglück⸗ lichen Vaters lag viel, was ſeinen Zorn rechtfertigte — er war ein Trinker. Zum Glück haben Sie keine Vorſtellung von all' dem Elend, das dieſes Wort in ſich ſchließt.“
Lillian ſchauderte; ſie erinnerte ſich nur zu gut der Scenen, deren Zeuge ſie unter Mike's Dach in der Belvedereſtraße geweſen war.
„Mein Großvater nahm mich an Kindesſtatt an,“ fuhr Richard fort.
„Gott ſegne ihn dafür; ſein Herz konnte nicht ganz von Stein ſein.“
„Er ließ mich erziehen und hat mir ſtets die wärmſte Liebe erwieſen.“.
„Konnte er anders?“
Richard lächelte. Keine Schmeichelei macht einen wohlthuenderen Eindruck, als die von Lippen, welche wir lieben.
„Ohne Zweifel hat er ſich mit dem ungehorſamen Kind verſöhnt,“ fuhr die ſchöne Sprecherin fort. „Ihrem Einfluß muß dies gelungen ſein.“
„Leider nein.“
„Haben Sie's nicht verſucht?“
„Auf's Angelegentlichſte.“
„Und vergeblich?“
„Es war ein Hinderniß vorhanden, und eben dies


