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Lebensjahre in bitterer Armuth verbrachte, in einer Armuth, die ſo troſtlos war wie die Ihrige.“
„Nein, Richard, nein,— unmöglich!“ rief das Mädchen⸗„Sie müſſen Freunde gehabt haben, welche Sie liebten.“
„Wahr; ich hatte eine Mutter und eine Schweſter.“
„Dann können Sie nicht ſo verlaſſen geweſen ſein, wie ich.“
„Auch nicht, wenn ich ſie dem Hungertode preis⸗ gegeben ſah?“
Seine Zuhörerin wiederholte das Wort mit Schrecken und Staunen.
„Und wenn ich, von namenloſem Jammer ver⸗ zehrt, in die Straßen hinausſtürzte, in die erbarmen⸗ loſen Straßen Londons, um ihnen Nahrung zu ſchaf⸗ fen mit jedem Opfer, ſelbſt mit dem der Ehre?“ fuhr er fort, ſeine Stimme zu einem Flüſtern dämpfend.
„Entſetzlich!“
„Sie werden es mir nicht zum Vorwurf machen, Lillian?“ ſagte der Jüngling, in tiefer Erregung den Blick auf ſie heftend.
„Nein, ſelbſt nicht wenn Sie fielen, Richard,“ rief das theilnehmende Mädchen.„Der Beweggrund könnte zwar die That nicht heiligen, aber doch ent⸗ ſchuldigen.“
„Ich fiel nicht,“ entgegnete unſer Held nach einer Pauſe.„Dieſelbe Vorſehung, auf die ich noch immer baue, wachte über mir.“
„Gott ſei Dank!“
„Am Rande des Verbrechens wurde ich von meinem Großvater gerettet, welcher meine Mutter in


