Blicke auf unſern Helden und Lillian, die bei ein⸗ ander auf der Veranda ſtanden. Dies erhöhte noch die Bitterkeit ihrer Gefühle.
Für unſern mit der Hindumythologie nicht be⸗ kannten Leſer wird es nöthig ſein, anzugeben, daß Mereiatel der Name einer Göttin iſt, unter deren unmittelbarem Schutz die Parias, die Diebe ein⸗ ſchließlich der ehrenwerthen Zunft der Thugs oder Würger und die Auswürflinge aller Kaſten zu ſtehen wähnen. Wenn ihre Tempel auch nicht zu den glän⸗ zendſten gehören, ſo ſind ſie doch die reichſten in Indien. In ihren Räumen werden die Natſchmäd⸗ chen oder Tänzerinnen erzogen und Myſterien ge⸗ feiert, die zu ſchildern uns der gute Geſchmack ver⸗ bietet und deren Duldung ſchon ein ſchwerer Vorwurf iſt für die chriſtliche Herrſchaft in Indien. Wie kann auch der Hindu, der weit logiſcher raiſonnirt, als wir uns vorſtellen, annehmen, daß es den Engländern mit ihrem vorgeblichen Glauben Ernſt iſt, wenn ſie ſehen, wie ſie nicht nur den Prieſtern eines ſchänd⸗ lichen Götzendienſtes Hülfsgelder zukommen laſſen, ſondern oft auch ſich zu Zeugen ihrer Gräuel her⸗ geben?
Wir haben furchtbare Rechenſchaft abzulegen von unſerem Verhalten in Indien— möge die Zukunft Sühne leiſten für die Vergangenheit!
Das Oberhaupt des Tempels war ein alter Bra⸗ mine Namens Radir, eine bei den Eingebornen von
Calcutta im Ruf hoher Heiligkeit ſtehende Perſön⸗
lichkeit, die aber leider auch die jungen Offiziere und Cadetten der indiſchen Armee nur allzu gut kannten, da viele derſelben das Heiligthum der falſchen Göttin,


