In dem Geſicht des Hindumädchens lag etwas, was ſie an einer Fremden erſchreckt hätte; ihre großen träumeriſchen Augen ruhten mit einem faſt drohenden Ausdruck auf dem Antlitz unſerer Heldin und ihre farbloſen Lippen waren feſt zuſammengepreßt.
„Biſt Du unwohl?“ fragte ihre Gebieterin theil⸗ nehmend.
Der Ton ihrer Stimme ſchien den Bann zu bre⸗ chen, der Kehoda gefangen hielt, und im Nu nahmen ihre Züge wieder die gewöhnliche Ruhe an.
„Nicht unwohl,“ lautete die Antwort;„aber das Herz leidet.“
Lillian betrachtete ſie erſtaunt.
„Kehoda iſt nicht weit von hier geboren,“ fuhr die Hindu fort,„und hat eine Schweſter in dem kaum eine Stunde von hier entfernten Tempel der Göttin Mereiatel.“
„Die möchteſt Du wohl beſuchen, um mit ihr Dich der Liebe früherer Tage zu erfreuen?“
Kehoda verbeugte ſich.
„So geh' zu ihr; es wäre grauſam, Dich zurück zuhalten.“
Das indiſche Mädchen murmelte etwas von beim Umkleiden Helfenmüſſen.
„Damit biſt Du in einigen Minuten fertig. Flechte mir dieſe Blumen in's Haar— ſo, das An⸗ dere kann ich ſelbſt thun.“
Die Toilette war bald beendigt und nachdem Lillian den ertheilten Urlaub nochmal bekräftigt hatte, verließ ſie das Zimmer, in welchem Kehoda allein
urückblieb.
„Ich muß gehen,“ flüſterte die Hindu, ſobald ſie


