Teil eines Werkes 
4. Band (1860)
Entstehung
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Auch Lillians Herz war nicht ungerührt geblieben. Der Zauber des blinden Gottes hatte ſie mit ſeinem melancholiſchen Einfluß umſchattet. Den Tag über ſah man ſie traurig und in Gedanken vertieft, oder ſie erging ſich in jenen entzückenden Träumereien, welche das Auge und das Ohr für das Leben der Umgebung verſchließen.

Lady Bell entdeckte mit Mutteraugen bald dieſe Veränderung in dem Weſen ihrer Pflegetochter und begriff recht wohl die Urſache. Die Zuneigung iſt immer wachſam. Längſt hatte ſie Richards Zuſtand mit Vergnügen wahrgenommen, da von allen jungen Männern ihrer Bekanntſchaft er der einzige war, welchem ſie die Zukunft der lieblichen, unſchuldigen Jungfrau hätte anvertrauen mögen; denn wenn ein männliches Herz, edler Sinn und hingebende Liebe das Glück eines Weibes machen konnten, ſo waren dieſe Eigenſchaften bei ihm zu finden.

Nur ein Punkt blieb ihrem Scharfſinn unbegreif⸗ lich. Mit ihrem feinen Takt hatte ſie ihm mehr als einmal Gelegenheit gegeben, ſich auszuſprechen, ohne daß er bis jetzt auf eine Erklärung eingegangen wäre. Dieſes Zaudern verdroß ſie, vermochte aber nicht, ihr Vertrauen in ſeine Ehrenhaftigkeit und in die Reinheit ſeiner Abſichten zu erſchüttern.

Wie ſchwach ſind die Entſchließungen des Man⸗ nes, wenn ſich das Herz gegen ihre Ausführung empört! Richard hatte ſich in die Ueberzeugung hin⸗ eingeredet, daß es bei der heiligen Pflicht, deren Erfüllung ihm oblag, ſehr Unrecht von ihm wäre,

wenn er durch den Verſuch, unter einem angenom⸗

menen Namen Lillians Herz zu gewinnen, einer ver⸗

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