230
Beiſpiels zu überlaſſen, indem ich Ihnen den Um⸗ gang mit einem Mann geſtattete, der die Pflichten gegen ſein Kind ſo ſchwer vergeſſen hatte?“
„Ich höre Sie, Sir.“
„Zweitens fragte ich mich, ob es nicht etwa möglich ſei, Vater und Sohn dadurch zu retten, daß ich den Erſteren über das Schickſal des Letzteren in einer Ungewißheit erhielt, die ſein Gewiſſen wecken mußte. Denn der Schmerz iſt der einzig wahre Läuterer des Herzens und dieſe Ueberzeugung bewog mich, nicht auf Ihre Bitten zu hören und Sie plötz⸗ lich ſpurlos aus London verſchwinden zu laſſen. Dem Himmel ſei Dank, mein Plan iſt gelungen. Georg Markham gehört nicht mehr unter die hoff⸗ nungsloſen Trunkenbolde, ſondern er hat ſich gebeſſert und verdankt ſeiner Thätigkeit ein ehrenhaftes Aus⸗ kommen. Wenn die Zeit kommt, Sie ihm zurückzu⸗ geben, werden Sie nicht nöthig haben, wegen Ihres Vaters zu erröthen.“
Der Knabe faltete in ſtummer Dankbarkeit die Hände. Sein Herz war zu voll für Worte. Er wußte, wie glücklich dieſer Wechſel ſeine Mutter machte.
„Mit ſeiner Frau war meine Aufgabe ſchwieriger,“ fuhr Mr. Bently fort.„Ihr Verluſt war für ſie ein Schlag, den ich ſelbſt nur mit blutendem Herzen anſehen konnte. Ich brachte in Erfahrung, daß ein treuer Freund ſie der Armuth entriſſen hatte; aber ihr Seelenleiden konnte nur die Zeit heilen. Sie fand Troſt in der Umkehr ihres Mannes, lebt voll chriſtlicher Zuverſicht der Hoffnung, daß ihr Sohn eines Tages an das ſehnende Mutterherz zurückkehren werde und hat in der Geduld wieder Kraft gewonnen.“


