Teil eines Werkes 
1. Band (1860)
Entstehung
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Haben wir durch den Wechſel gewonnen? Die moderne Geſellſchaft wird auf dieſe Frage mit Ja antworten; das Alter aber und die Weisheit lächeln wehmüthig und ſchütteln das Haupt.

Träume! Träume! ſo, dünkt uns, hören wir manchen von unſeren flüchtigen Leſern ausrufen. Möglich; aber ſie ſind demungeachtet voll Wahrheit. Das Schöne liegt in dem Idealen, und das wahre Glück ſteht weit inniger mit Träumen in Verbindung, als die Hellwachenden der Erde nur zu ahnen ver⸗ mögen.

Wenn wir ſo lange bei dem Verfall unſerer vier großen Jahresfeſte verweilten, ſo geſchah es deßhalb, weil ſich, wie man ſpäter finden wird, an jedes der⸗ ſelben ein wichtiges Ereigniß unſerer Erzählung an⸗

London erregt Staunen und Bewunderung, wenn man es in ſeiner Geſammtheit betrachtet; ein Ein⸗ gehen auf ſeine Einzelnheiten aber flößt Entſetzen ein. Unmöglich kann auch ein einfacher Beobachter ſich durch ſeine Straßen winden, ohne daß ihm das Ge⸗ räuſch des geſchäftigen Lebens, der nach allen Rich⸗ tungen ſich ergießende Strom gutgekleideter Perſonen, die grell beleuchteten Läden, die prunkvollen Equi⸗ pagen und die Wägen, welche die Kaufmannsgüter der ganzen Welt von einem Stadttheil zum andern führen kurz, alle die unverkennbaren Merkmale des Gewerbfleißes, des Wohlſtandes und Reichthums auffielen. Man hat ein Bild vor ſich, des Pinſels eines Claude würdig ſonnig klar und voll Heiter⸗ keit. Aber Rembrandt würde den Gegenſtand ganz anders behandeln und uns ein Nachtſtück vorführen,