10
Mit flüchtigem Schritt wie dem der erſchreckten Gozelle eilte ſie durch die Allee, um nach dem Ra⸗ ſen zu gelangen. Als ſie an einem Catalpa vorüber⸗ ging, glaubte ſie eine am Fuß des Stammes zu⸗ ſammengekauerte Frau zu ſehen; aber der Schrecken erlaubte ihr nicht, ſich davon zu überzeugen.
Lady Mowbray und der Oberſt befanden ſich im Salon des Erdgeſchoßes, der an den großen„ Saal ſtieß. Die Dame war damit beſchäftigt, einen Diamantſchmuck zu bewundern, welchen Miran an demſelben Tage ihr zum Geſchenk gemacht hatte, um ſich in ihrer Gunſt völlig feſtzuſetzen.
„Die kleine Närrin!“ ſprach ſie, von Ellen re⸗ dend,„einen ſolchen Liebhaber verſchmähen!. ſo reich und ſo generös!“ Darauf ſetzte ſie mit einem Seufzer des Bedauerns hinzu:„Ach! arme Iſabelle! wie glücklich ſie ihn gemacht hätte!“
„Vielleicht!“ erwiderte trocken ihr Gatte.
Die Dame ſchaute ihn an, als wollte ſie nach dem Grund ſeiner Meinung fragen.
„Nun,“ ſagte der Oberſt,„weil es in der Welt Weſen gibt, welche im Austauſch für ihre Hand ein Herz wollen; und ich zweifle, ob Miß Harebell je eines zu vergeben gehabt hätte.“
„Romantiſch, und in Ihrem Alter!“ rief die„ Dame mit ſpöttiſchem Lachen.„Pfui! Ich glaubte, daß Sie die Welt kennen!“
„Sie wenigſtens haben ſie zu Ihrem Vortheil ſtudirt.“
„Vielleicht wohl; die Frauen beobachten beſſer als die Männer.“
Die Thüre öffnete ſich plötzlich und Ellen ſtürzte t


