Sechstes Kapitel.
Als Henry Aſhton den Park von Carrow ver⸗ ließ, ſchritt er über die Gemeindewieſe, den Schau⸗ platz ſeines Abenteuers vom Morgen, um nach dem Pfarrhauſe zu gelangen. Wiewohl die Stunde noch nicht ſehr vorgerückt war, entſchloß er ſich dennoch, daſelbſt zu übernachten, da er, wie wir bereiks be⸗
merkt zu haben glauben, dort ebenſo, wie auf der
Farm ſeines würdigen Oheims, zu Hauſe war.
Zum erſten Mal in ſeinem Leben hatte er den Reiz jener Geſellſchaft gekoſtet, von welcher ihn in England die Dunkelheit ſeiner Geburt und die Vor⸗ urtheile der Welt ausſchließen zu müſſen ſchienen. Er hatte in langen Zügen geſchlürft und ſein Geiſt ſich in jene Trunkenheit verſenkt, welche ſich mehr des Herzens als des Gehirns bemächtigt.
Während er langſam ſeines Wegs ging, den ſüßen Einbildungen nachbängend, welche uns in jun⸗ gen Jahren heimſuchen, die Blicke und Worte über⸗ denkend, welche die Erinnerung auf dem Grunde des Herzens anhäuft, wurden ſeine Träumereien plötzlich durch eine ernſte Stimme unterbrochen, welche ihm guten Abend wünſchte.
Er hatte die Annäherung Deſſen, der ihn an⸗ redete, nicht bemerkt.
„Guten Abend!“ erwiderte er und wollte weiter gehen.
„Ich bitte um Verzeihung, mein junger Herr,“
fuhr der Unbekannte fort;„aber können Sie mir


