Vögel ſind oft in einer Schlinge gefangen, ehe ſie an eine Gefahr denken.
„Gute Nacht, Zara,“ ſagte Ellen, ihr die Hand reichend, welche die Aya an ihre Lippen führte. „Ich ſehe, daß Du Dich über mich luſtig machſt. Ich Harry lieben.... Mr. Aſhton, wollte ich ſagen. Welche Albernheit! Gute Nacht!“
So albern dieſe Idee ihr vorkam, vermochte Ellen doch nicht, ſie aus ihrem Geiſte zu verjagen. Sie blieb noch lang nach dem Abgang ihrer treuen Amme wach. Aehnliche Albernheiten machen oft
einen bleibenden Eindruck auf das Herz.
Miran⸗Hafaz war der Sohn einer Begum oder indiſchen Fürſtin, welche die Vorurtheile ihrer Caſte ſo weit vergeſſen hatte, um ihre Hand und ihr un⸗ geheures Vermögen einem engliſchen Officier zu reichen, der ſie kurze Zeit nach der Geburt dieſes Sohnes als Wittwe hinterlaſſen hatte. Das Kind beſaß von ſeiner Mutter einen ſtolzen, aber edeln Character, eine unruhige Energie, leidenſchaftliche Triebe, eine eiferſüchtige und ausſchließliche Liebe, die Fehler und Eigenſchaften der Indier. Von Ge⸗ ſtalt glich& ſeinen beiden Eltern. Seine Hände und Füße, von zarter Form, ſein kleiner Wuchs und ſein olivenfarbiger Teint waren das Erbe ſeiner Mutter; die Züge ſeines Geſichts waren ganz und gar die ſeines Vaters. Seit ſeiner Kindheit war er gewohnt, den General de Vere zu beſuchen, bei
dem er Ellen kennen lernte und noch ganz klein lieb gewann. Vielleicht dachte er kaum an die Natur ſeiner Gefühle für ſie, als der plötzliche Tod ihrer


