worden waren, indem ſie ſeinem Schutze ihr ein⸗ ziges Kind, ein Mädchen von fünfzehn Jahren, an⸗ vertrauten. 3
„Todt!“ rief er, den verhängnißvollen Brief aus ſeiner Hand gleiten laſſend.„Ellen und ihr Gatte, beide todt, die einzigen Weſen, die mich liebten! Warum muß ich als der Letzte übrig blei⸗ ben, um zu leiden?“
Obgleich der Baronet keine Thräne vergoß, be⸗ klagte er doch bitter dieſen Verluſt. Thränen hätten ihn erleichtert, aber ſie waren ihm verſagt. Das Fieber, das ſein Herz und ſeinen Kopf verzehrte, hatte ſchon längſt deren Quelle vertrocknet. Zwei⸗ mal drückte er die Hand an ſeine Stirne, gleich einem Menſchen, der eben einen plötzlichen Schlag erhalten hat, dann ſank er, einen tiefen Seufzer ausſtoßend, in ſeinen Seſſel zurück.
Als er wieder zu ſich kam, kniete ein ſchönes Mädchen zu ſeinen Füßen, ſeine Hände küſſend und ſie mit ihren Thränen badend. Die Wellenlinien ihres ſchwarzen, üppigen Haares, ihre reine Stirne, ihre Augen, Alles erinnerte ihn an ſeine verſtorbene Schweſter.
Welche Süßigkeit und welcher Troſt liegt ſelbſt in dem Andenken an eine Schweſter! In der Ju⸗ gend iſt ſie die natürliche Vertraute unſerer Hoff⸗ nungen und unſerer Freuden, des erſten Traumes unſeres Herzens; ſie verläßt uns nicht in unſeren reiferen Jahren; auf dem Pfade des Alters iſt ſie gleich dem Schatten unſerer Jugend, und wenn kein anderes Weſen auf der Welt übrig bleibt, uns zu


