15
beweinen, ſo fallen die Thränen unſerer Schweſter ſegnend auf unſer Grab.
„Onkel! lieber Onkel!“ ſchluchzte die Waiſe,„er⸗ lauben Sie mir, Sie zu lieben? Werden Sie mich nicht von ſich ſtoßen?“
„Dich von mir ſtoßen?“ wiederholte der Baronet, indem er ſie an ſein Herz drückte.„Armes Vögel⸗ chen, das kein Neſt hat! Wo wäre Deine Wohnung, wenn nicht bei mir? Mein Herz iſt gebrochen, Ellen,“ ſetzte er hinzu,„gebrochen durch die Gott⸗ loſigkeit der Welt; aber es enthält noch Liebe ge⸗ nug, um Dir ein Aſyl zu gewähren.“
Das Mädchen legte den Kopf auf die Schulter des Baronets; ihr Herz war voll; ſie hatte Jemand gefunden, der ſie liebte, und ihre Thränen floſſen ſanft wie Regentropfen, welche die welkende Blume wieder beleben.
Während Sir William das Kind ſeiner Schweſter betrachtete, die Waiſe, die ſo plötzlich ſeiner Sorg⸗ falt anvertraut worden war, nahm ohne Zweifel die Hand eines Engels den Stein hinweg, welcher ſeit langer Zeit die Quelle ſeiner Thränen verſiegelte, und ſie miſchten ſich mit denen ſeiner Nichte.
„Danke, meine Liebe!“ ſagte er mit tief gerührter Stimme, indem er einen Kuß auf Ellens Stirne drückte.
Sie ſah ihn mit erſtaunter Miene an.
„Sie danken mir, lieber Onkel?“ flüſterte ſie, „und wofür denn?“
„Dafür, daß durch Dich mein Herz ſich er⸗ weicht hat.“


