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lung ſingen; jedes Lied erweckte irgend ein neues Bild der heiteren Vergangenheit, das lange in ihrem Gedaͤchtniſſe geſchlummert hatte. Mit immer ſteigender Wonne lauſchte ſie den Toͤnen, und zu gleicher Zeit wuchs in eben dem Maaße ihre Vorliebe fuͤr die Saͤngerinn, die ſo, wie mit Zaubergewalt, den Geiſt ihrer gluͤcklichern Tage der Vergangenheit heraufbeſchworen hatte⸗
Willig wuͤrde ſie noch laͤnger zugehoͤrt haben, allein der Koͤnig draͤngte voller Ungeduld zur Abreiſe, obgleich der Regen noch immer nicht aufgehoͤrt. 3 Er konnte Widerſtand ſo wenig vertragen, daß 3 er ſelbſt mit den Elementen haderte, und die Koniginn kannte ſeine Heftigkeit zu gut, um eine Verzoͤgerung ihres Aufenthaltes zu erbitten. Sie wuͤnſchte indeſſen, ihre Trennung von Bea⸗ trix ſo lange als moͤglich hinauszuſchieben, und bat ſie deshalb, ſie mit in das Bad zu begleiten. Waͤhrend der Reiſe dorthin fand ſie ſo viel Gefallen an ihrer neuen Geſellſchafterinn, daß ſie, an dem Ziele angelangt, einen Boten an Sir Lionel ſandte, dieſen zu erſuͤchen, daß er ſeiner Tochter erlaube, ſo lange bei der Koͤni⸗ ginn zu hleiben, als dieſe ſich in Somerſet⸗ ſhire aufhalte. Mit Freuden willigte Sir Lio⸗ nel ein, auch war es ihm keineswegs zuwider, als er nach einigen Tagen einen zweiten Boten erhielt, durch welchen die Koͤniginn ihm anzei⸗


