Teil eines Werkes 
2. Theil (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

165

Es war ein gemüthreicher Menſch, dieſer Capitain Roloffs. Die größte Zeit ſeines Lebens auf See allein, war doch kaum ein Mann zu finden, der ſo feſt an den häuslichen Heerd hing, als eben er. Er ſaß da mit halbgeſchloſſenen Augen, und lächelte ſtill vor ſich hin. Daheim war es nun ſchon lange ſtock⸗

finſtere Nacht. Die Mutter hatte ſorgſam den Weih⸗ nachtsbaum herausgeputzt und die Kinder hineinge⸗ führt. Da lagen alle Geſchenke neben einander,

welche der Vater vor ſeiner Abreiſe ausgeſucht und mit dem Namen derer bezeichnet hatte, denen ſie be⸗ ſtimmt waren. Capitain Roloffs war mehrere hun⸗ dert Meilen von den Seinigen entfernt, aber in ſeiner Phantaſie hörte er jedes Wort; er erkannte jede Stimme und ſein Herz ſchlug immer lauter und fröh⸗ licher. Als aber das lichte Traumbild nach und nach zerrann, ſeufzte er tief auf und fuhr mit der Hand über die Augen.

Das Bild auf dem Verdeck iſt wieder anders geworden. Die Schiffsglocke ſchlägt das dritte Glas des Platfuß an, das heißt es iſt halb ſechs Uhr Abends. Die Leute haben ſich allgemach geſammelt. Sie ſehen in den blauen Jacken, den blanken Hüten und den bunten Seidentüchern um den Hals aus,

6