mein theurer Heinrich, habe ich noch einen Wunſch, noch einen, ohne deſſen Erfüllung mir der Abſchied von dem Leben ſehr ſchwer werden würde: ich möchte Dich noch einmal ſehen, Dich noch einmal an mein Herz ſchließen, Dich ſegnen. Soll mir dieſer Wunſch erfüllt werden? Dann aber muß es bald ſein; ich fühle es, wie meine Kräfte ſchwinden, und ich habe nicht viele Stunden mehr zu verlieren. Dies habe ich Dir, gelieb⸗ ter Sohn, ſagen wollen. Handle nun nach Deiner Einſicht. Wenn Dein Herz Dich nicht zu mir führt, meine Worte müſſen es nicht.“
Heinrich hatte ſeiner Gattin in tiefſter Bewegung dieſen Brief des Vaters vorgeleſen. Als er geendet hatte, rief ſie leidenſchaftlich:„Eile, mein Freund! Eile! fliege! um die theure Stätte zu erreichen, ehe es zu ſpät iſt! Dich ruft ein Vater! Hoͤrſt Du es, Du Glück⸗ licher? Ein Vater ruft Dich! Du wirſt an ſeinem Her⸗ zen ruhen, wirſt ſeine Hand mit Deinen Küſſen bedecken, und dieſe Hand wird ſegnend auf Deinem Haupte ruhen. Eile, und bringe dieſen Vaterſegen Deinem Weibe und Deinem Sohne! Eile, eile, mein Geliebter!“
Sara war ſo heftig erſchüttert, daß Heinrich es für dringend erkannte, ſeine eigene Bewegung zu bemeiſtern und Sara in das Haus zurückzuführen. Hier überließ er ſie der Sorge ihrer Kammerfrau und ging dann


