Teil eines Werkes 
2. Theil (1822)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

322

zu empfangen ſchien, und ihr den natuͤrlichen Ideen⸗ gang, von dem ſich die Nonne oft entfernte, an die Hand zu geben, dann, ſtatt ihrer, die Folgen auf⸗ zuſuchen, welche jene aus den angenommenen Grundſatzen nicht abzuleiten verſtand, und ſo nach und nach ihr in gehoͤriger Ordnung die Gruͤnde anzugeben, deren ſie ſich ohnſtreitig bedienen wollte, welche ſie aber vergeſſen hatte. Dies that ſie aber mit Beſcheidenheit und Diſeretion, und die Non⸗ ne, feſter nun in ihrem Vortrage und folgerechter, als ſie ſonſt zu ſeyn pflegte, bemerkte den Dienſt gar nicht, den ihr ihre Schuͤlerin leiſtete, oder ſie ſchrieb denſelben vielmehr der gottlichen Gnade die neue Klarheit zu, welche ſie in ihrem Geiſte fand.

Indeſſen ſindet man an Perſonen, mit denen man eine Art geiſtiger Verwandtſchaft entdeckt, am Ende doch Geſchmack. Die Schweſter Con⸗ ſtanze, deren Blicke, als ſie in die Sänfte ſtieg, ganz ausdruckslos geweſen waren, fing jetzt an ihre Augen ein wenig gefaͤlliger auf Julien ru⸗ hen zu laſſen, und in ihre Zufriedenheit mit ſich ſelbſt ſchien ſich nun ein wenig mehr Wohlwollen