Druckschrift 
Glöckchen und Schellen : heitere Erzählungen / von Heinrich Smidt
Entstehung
Einzelbild herunterladen

199

ſtreckte zögernd die Hand darnach aus. Die zunächſt Stehenden, welche den Schmuck zu ſehen vermochten, äußerten ihre Verwunderung unverholen und geſtan⸗ den, nie etwas ſo Schönes geſehen zu haben. Emil, der ſich auch neugierig hinzu drängte, ſagte erſtaunt vor ſich hin:

Ein Meiſterſtück aus Lonado's Werkſtatt und ein Paar tauſend Thaler werth. Wo mag der Kerl das her haben?

Der Comödien⸗Onkel, die Gedanken Emils errathend, breitete die Arme aus und ſagte mit bewegter Stimme:

Beſter Emil! Komm an das Herz Deines innig bewegten Onkels.

Emil mußte wohl oder übel, gute Miene zum böſen Spiele machen und in die ausgebreiteten Arme des Pſeudo⸗ Onkels ſinken. Statt aber, wie in ſolchen Fällen üblich, ihm die Wange zu küſſen, flüſterte er ihm zu:

Satanskerl, was haben Sie gemacht?

Ich that, was Sie hätten thun ſollen, entgegnete Jener,und Ihnen zugleich bewieſen, daß ich noch mehr Credit habe, als Sie, denn Sie hätten den Schmuck im Leben nicht geborgt erhalten. Hier iſt übrigens die Rechnung.

Er ſteckte Emil ein zuſammen gefaltetes Papier in die Hand. Die fernhin Stehenden waren vor Bewun⸗ derung und Erſtaunen, auch wohl vor Neid außer ſich, denn Keiner vermuthete etwas Anderes, als daß dies Papier eine Notariatsakte ſei, wodurch der Onkel dem Neffen einen Theil ſeines enormen Vermögens abtrete.

Was der Kerl für ein Glück hat! ſeufzte ein blaß⸗