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Glöckchen und Schellen : heitere Erzählungen / von Heinrich Smidt
Entstehung
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zu faſſen und ernannte die Großen ihres Reiches, ſo Damen als Herren, um dadurch ihre Herrſchaft dauernd zu befeſtigen, denn ſie hatte den erhabenen Zeitgedanken begriffen, daß die Monarchie nur ſicher auf den Säulen einer ſtarken Ariſtokratie ruht. Bald gab es in ganz Hüttenau keine Beamten, Fabrikanten und Handwerker mehr, ſondern nichts als Herzöge, Viscounts, Marquis und Peers ſtolzirten in den Straßen auf und ab. Ver⸗ ſchwunden waren die Meyers und Schmidts, die Müller's und Schulzens, die Lehmänner, Naumänner und alle an⸗ dern Männer. Sie zogen ſich zurück vor den Leiceſter's, Burleigh's, Suſſex, Eſſer und andern Ecken und Kanten der höchſten Geſellſchaft. Aber ein Anblick der ſeltenſten Art bot ſich dar, als am Abend vor dem großen Feſte die Gräfinnen von Norfolk und Nottingham, die Vis⸗ countes Weſtmoreland, die Herzogin von Gloſter und die Marquiſe von Bedford auf dem Wochenmarkte erſchienen und ſich von ihren zu Kammerdamen avancirten Haus⸗ mägden begleiten ließen.

Nur zwei reſſourcenfähige Menſchenkinder gab es in ganz Hüttenau, die von dem Feſte gänzlich ausgeſchloſſen wurden. Die Eine war Louiſe. Dieſe ſollte eigentlich als jüngſte Ehrendame einrangirt werden, um die Schleppe und die Launen der ſtrengen Gebieterin zu tragen und zu ertragen. Als ſie aber zur Probe das ihr beſtimmte Coſtüm anlegte und von dem zarten Madonnenköpfchen die blonden Locken auf die blaßrothe, ſilbergeſtickte Sam⸗ metrobe herabringelten, ſagte Tantchen nach einer Pauſe ernſten Nachdenkens mit jenem königlichen Air, das ſie ſich ſeit der Wahl aneignete: