nicht ablegen, da heute ausſchließlich Damenzirkel iſt, was Sie billig von ſelber wiſſen ſollten.“
„Das bedaure ich auf das Schmerzlichſte. Aber an Gehorſam gewöhnt, trage ich mein herbes Leid mit Ge⸗ duld und bitte ehrerbietig um Urlaub.“
„Er iſt Ihnen in der ausgedehnteſten Weiſe gewährt,“ entgegnete die Tante,„und ich hoffe, daß Sie von meinem Geſchenke nicht das Geringſte unbenutzt laſſen, Couſin.“
„Ich bin von dieſer neuen Tugend, die ich an Ihnen ent⸗ decke, im erhöhten Grade bezaubert, gnädige Tante. Auch die Freigiebigkeit ſoll fortan nicht fehlen in dem Hauſe der Fiesker.“
Er empfahl ſich der Tante, die ſich unwillig den Hand⸗ kuß verbat und flüſterte im Hinausgehen Louiſen zu:
„Von Ihnen habe ich weder Urlaub erhalten, noch ge⸗ nommen. Ich ſehe Sie bald wieder.“
„Gott gebe es!“ dachte Louiſe und Tante machte ſich bereit, dem armen Mädchen eine lange Vor⸗ leſung über die Verderbtheit der Männer im Allgemeinen und über die des Actuars in's Beſondere zu halten, als es zum Glücke klingelte und Louiſe hinauseilte, um die Gäſte zu empfangen.
Und ſie kamen, Eine nach der Andern, die hohen Mitglieder des Kränzchens, die Elite der Damenwelt von Hüttenau. Zuerſt Jungfrau Seraphine Weſthauch, die jugendliche Sylphide, vor ungefähr zwanzig Jahren aus dem hochfürſtlichen Balletcorps mit Penſion entlaſſen und jetzt nominel vortanzende Amorette bei den Ballfeſten
der Reſſourge. Ferner das Fräulein Johanna Bogen⸗ ſenner, die zwei Urſachen zu ihrem hatte, näm⸗


