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Meeresstille und hohe See : neue Seegeschichten / von Heinrich Smidt
(Verfasser der Devrient-Novellen [et]c.)
Entstehung
[Giessen] [2025]
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Es war eine königliche Corvette, mit einer Reihe ſchwerer Geſchütze auf dem Deck. Alles am Bord war vorſchriftsmäßig hergerichtet und vierkant hinten und vorn. Der Offizier von der Wache ſtand auf der Cam⸗ pagne. Die Schildwachen am Fallreep und auf der Back ſchritten in gemeſſener Haltung auf und ab. Die Toppmänner in den Marſen hielten den Lugaus.

Eine Brigg ward gemeldet, die im Lee der Corvette mit all ihrem Linnen nach dem Lande zu abhielt. Sie mußte das Kriegsſchiff bemerkt haben, denn ſie hatte die Flagge aufgezogen und den Klüver, ſowie ihre Bramſegel geſtrichen, drei Zeichen, womit der Kauffahrer auf offener See die bewaffneten Kriegsſchiffe zu begrüßen hat. Da gewahrte einer der Toppmänner eine leichte Jolle mitten auf der Salzfluth und in derſelben einen Mann, der mit dem Tuche in der Hand nach der Corvette hinüber winkte. Schnell war er mit dieſer Meldung zu Deck.

Bevor er aber die Campagne erreichte, hatte man auf dem Deck der Brigg die Jolle ebenfalls geſehen und dieſer Anblick rief daſelbſt eine furchtbare Aufregung hervor. Der Bootsmann warf dem Zimmermann vor, daß er die Ordre zur Inſtandſetzung der Böte viel zu früh gegeben habe. Die Heckolle hätte überhaupt nicht ge⸗ ſtrichen zu werden brauchen, da ſie zur Aufnahme vieler Männer zu klein ſei. Der Zimmermann dagegen fluchte Himmel und Hölle auf ſeinen Gefährten herab, weil er einen Tölpel in die Jolle ſchickte, der ſo blind geweſen