Druckschrift 
Meeresstille und hohe See : neue Seegeschichten / von Heinrich Smidt
(Verfasser der Devrient-Novellen [et]c.)
Entstehung
[Giessen] [2025]
Einzelbild herunterladen

ſei, daß er nicht einmal die geöffneten Kajütsfenſter ge⸗ ſehen habe. Beide ſtürzten ſich auf den Unglücklichen, den ſie zu Boden warfen und unter gräßlichen Schimpf⸗ reden mit Füßen traten. Die Matroſen nahmen für und wider Parthei. Es war ein hitziger mit Mund und Fäuſten geführter Streit, worüber ſie den flüchtigen Ca⸗ pitain und die Corvette ganz vergaßen, welche letztere ein Paar Striche nach Lee abhielt und ſich mit ihren metallenen Feuerſchlünden in bedrohlicher Weiſe näherte. Nur Einer hatte am Bord der Brigg ſeine Sinne ſoweit zuſammen, daß er mindeſtens den Verſuch machte, der gefahrdrohenden Lage eine andere Richtung zu geben. Er flog die Kajütstreppe hinab, brachte eine geladene Flinte herauf und ſchlug auf den Capitain in der Jolle an. Dieſer war bereits weit aus dem Bereich der Kugel, aber der über die See himrollende Schuß brachte die wüthenden Kämpfer zur Beſinnung. Sie ließen von ein⸗ ander ab und wie der hochſchäumenden Fluth die matt dahin ſchleichende Ebbe folgt, war Allen der Muth geſunken.

Wir ſind verloren! ſagte der Zimmermann vor ſich hin und fuhr zuſammen, denn vom Bord der Corvette fiel ein Schuß, den Befehl andeutend, daß die Brigg ſo⸗ fort beizudrehen habe. Zugleich bemannte dieſelbe ein Boot, welches, von raſchen Ruderſchlägen fortgetrieben, der Heckolle entgegen flog. Osrick richtete ſich auf und rief dem das Boot ſteuernden Quartiersmanne zu: