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Meeresstille und hohe See : neue Seegeschichten / von Heinrich Smidt
(Verfasser der Devrient-Novellen [et]c.)
Entstehung
[Giessen] [2025]
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machen. Während der Eine mit ſeinem Daumen das Bohrloch ſchließt, wirft ſich der Andere auf einen Baum⸗ wollenballen, trennt die Hülle mit ſeinem Meſſer und dreht daraus einen Propfen, womit er die Oeffnung ver⸗ ſtopft. Das Oel hört auf zu fließen.

Die Schiffsdiebe athmen auf. Sie kriechen durch die losgebrochene Planke aus dem Zwiſchendeck, löſchen die Laterne aus und ſchleichen ſich nach ihren Hänge⸗ matten. Es hat ſie Niemand bemerkt. Aber der Mann, der die Umhüllung von der Baumwolle abtrennte, be⸗ ginnt zu zittern. Ein leiſes Fröſteln rieſelt über ſeinen Leib und ſchüttelt ſeine Knochen an einander. Kalte Schweißtropfen treten ihm vor die Stirn. Ihm iſt es, als athme er auch hier den erſtickenden Geruch, der ihm aus dem Ballen entgegen ſtrömte. Er will laut auf⸗ ſchreien, aber er vermag es nicht. Mit dumpfem Stöh⸗ nen ſinkt er in ſeine Hängematte zurück.

Der Wind friſcht auf und jagt die Brigg mit flie⸗ gender Eile vor ſich her. Der Offizier der neu antre⸗ tenden Wache muſtert ſeine Mannſchaft. Ihm fehlt Einer. Es iſt der Burſche, der den Pfropfen für das angebohrte Oelfaß drehte. Sein Gefährte tritt vor und ſagt:

„Der Nils iſt krank, Herr. Denke, es hat nicht viel auf ſich. Morgen wird er wieder friſch ſein. Aber in dieſem Augenblick kann er nicht auf den Füßen ſtehen.