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Meeresstille und hohe See : neue Seegeschichten / von Heinrich Smidt
(Verfasser der Devrient-Novellen [et]c.)
Entstehung
[Giessen] [2025]
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— 283—— Hämmern abermals gehört haben. Durch eine Spalte der Scherwand, welche das Volkslogis von dem belade⸗ nen Zwiſchendeck trennt, ſchimmerte ein Licht.

„Wer iſt ſo verwegen, in die Räume zu dringen, wo die Waaren lagern, welche die Landesflagge deckt? Wer legt Hand an die Ladung, die der Capitain, ſoviel an ihm iſt, ſchirmen und unverſehrt heimbringen ſoll, bei Verluſt von Ehre und guten Leumund?“

Zwei Matroſen ſind es. Kühne, wagehalſige Ge⸗ ſellen, die ein unbezwingliches Gelüſte nach einer der Ki⸗ ſten tragen, deren Deckel mit einer Flaſche bemalt iſt. Den letzten Tag kamen ſie an Bord und die Matroſen vermuthen einen herzſtärkenden Tropfen darin. Mit einem Brecheiſen haben ſie den Eingang in das Zwi⸗ ſchendeck erzwungen. Die losgebrochene Planke wird leiſe angelegt und die Nachforſchungen beginnen. Die Kiſten, welche ſie ſo emſig ſuchen, ſind nicht aufzufinden. Der Steuermann hat ſie zu ſchlan zu verſtecken gewußt. Mit ſteigendem Verdruß kriechen ſie von einem Winkel nach

dem andern, fluchend über jede fehlgeſchlagene Hoffnung.

Da entdecken ſie ein Faß und ſind ſchnell mit dem Boh⸗ rer zur Hand. Knirſchend frißt ſich dieſer durch das Holz und eine gelbe Maſſe drängt ſich durch die Oeff⸗ nung. Es iſt nicht Wein, es iſt Oel, das unaufhaltſam hervorquillt. Sie ſchreien laut auf und ſehen ſich ſtarr in das Geſicht. Endlich faſſen ſie ſich und ſuchen den angerichteten Schaden ſo wirkungslos als möglich zu