„Ich ſetze meinen Kopf daran, das waren Nothſchüſſe. Helfe Gott da draußen; hier vermag es keiner“.
Und am folgenden Tage um die Vesperzeit kam eine Botſchaft in den Pfarrhof: der Herr Pfarrer möge ſich hinab bemühen zum Strande, denn daſelbſt wären zwei unbekannte Leichen angetrieben, eine männliche und eine weibliche.
„Es ſind ältliche Leute“, ſetzte der Bote hinzu,„die vielleicht ſchon einige Zeit von der See umher geworfen wurden. Aber ſie ſehen ſo gut aus, als wären ſie erſt eben geſtorben und ſind gar nicht ſo ſchreckbar anzuſehen, als es ſonſt wohl mit dergleichen Leichen zu ſein pflegt.
Der Pfarrer folgte dem Rufe, die unbekannten Todten nach der„Heimathſtätte für Heimathloſe“ zu geleiten. Der Voigt von Weſterland empfing ihn mit den Worten:
„Ehrwürden, wir wiſſen nicht, wer dieſe Leute ſein mögen; doch iſt es ſicher, daß wir Chriſtenmenſchen vor uns haben, denn ſie tragen das Zeichen des Kreuzes an ihrem Leibe.“
Der Pfarrer trat näher an die Bahre heran und ſah auf den Armen der Beiden ein flammendes Herz mit einem Pfeil durchſchoſſen, wie er ſolches in jener unglücklichen Nacht an dem Feuerheerde des Frerk Han⸗ ſen zu Tinum gewahrte und darüber das Chriſtenkreuz mit dem Hoffnungsanker. Er ward von dieſem uner⸗ warteten Anblick ſo tief ergriffen, daß er des Wortes nicht mächtig war. Seine Kniee zitterten und er mußte


