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Meeresstille und hohe See : neue Seegeschichten / von Heinrich Smidt
(Verfasser der Devrient-Novellen [et]c.)
Entstehung
[Giessen] [2025]
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„Und nun ſtehen wir hier auf fremder Erde,“ ſagte Inken Bork,„mit Schimpf und Schande beladen. Was wird uns noch geſchehen?“

„Ein freier Inſelfrieſe, der erniedrigt wurde zum Knecht der Knechte,“ entgegnet Dirk Heick mit Bitterkeit. „Aber noch iſt nicht alle Kraft von mir gewichen; ſie kehrt mir in dieſem Augenblicke wieder. Du haſt Dich ſchwer vergangen, Weib, vor Gott und mir; aber das enſchuldigt den Schurken nicht, der Dich verführte und dann in das Elend ſtieß. Bringe mich zu ihm, damit ich mit ihm abrechne.“

„Ich gehorche!“ antwortete ſie tonlos und Beide gingen längs dem Ufer des Stromes, bis der Pfad ſich an dem Saum eines Gehölzes verlor, wo ein invalider Seeſoldat eine verrufene Schenke hielt. Dort ſaß in der grell auf⸗ geputzten, weiten Stube der ſpaniſche Matthes, umſchwärmt von phantaſtiſch⸗ bunt gekleideten, leichtfertigen Tänze⸗ rinnen, denen er auf ſeiner Zither zum Tanze aufſpielte und ein halb verſtürmtes Seemannslied ſang, während ſein Diener unter dem gaffenden Volke Cigarren ver⸗ theilte, womit man die Herzen der Spanier am leichteſten gewinnt. Die beiden Frieſen traten ein, als der Jubel am Aergſten ward und der ſpaniſche Matthes ſtieß unter lautem Gebrüll einen läſterlichen Fluch aus, als Dirk Heick mit Donnerſtimme fragte:

„Iſt es Der dort mit dem rothen Netze auf dem Kopfe und mit dem Klimperkaſten in der Hand?“